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5 Tipps für den Rückruf

Der Chef ruft uns in sein Büro und wir haben so gar keine Lust. Oder wir sollten uns anziehen und zur Schwiegermutter zum Essen gehen, aber die Halbzeit dauert noch zehn Minuten. Und natürlich sollten wir jetzt ins Bett gehen, aber wir sitzen grad so gemütlich bei herrlichem Rotwein zusammen. Kennst du? Warum soll dein Hund es anders sehen, wenn er was Tolles beenden muss, weil du ihn rufst. Der Versuch einer Bewusstmachung.


Beim Training mit einer Kundin draußen: der Hund aus dem Tierschutz ist unsicher, aufgrund seiner Vorgeschichte hat er einiges aufzuholen, müht sich redlich. Das Gehen an der lockeren Leine wird besser, aber es ist halt alles sooooo spannend. Das braucht Zeit und Geduld, der Zwerg bemüht sich und hätte es mit seinen Menschen nicht besser treffen können. Mitten ins Training neben der Straße rauschen zwei frei laufende Hunde. Irgendwer brüllt die Namen der Hunde, auch ein „hier“ oder „komm her!“ ist zu hören, auch Flüche und wütendes Geschimpfe. So gut es geht, mache ich die Mauer, nur die quirligen kleinen Hunde sind flinker als ich und schaffen es den Hund im Training zu belästigen. Endlich hat der Mensch seine Hunde verscheucht, unter Kontrolle kann man das nicht nennen. Rückruf? Fehlanzeige.  Was mich zu der Frage führt, warum das so oft nicht klappt, also das Rückrufen des Hundes.


Dein Rückruf als Spielverderber

Wenn du deinen Hund rufst, verlangst du dass der Hund auf ganz richtig tolle Dinge wie schnüffeln, spielen und jagen verzichtet. Und zwar sofort, in dem Moment, in dem du es willst. Das ist schon mal recht viel verlangt, damit das zuverlässig funktioniert, muss man schon viel richtig machen. Für den Hund ist es ja mit Frust verbunden, sich vom Geruch eines Kollegen zu lösen oder das Buddeln nach einem Maulwurf einzustellen. Und ganz schwierig wird es, wenn der Hund mitten in einer fröhlichen Jagd auf einen Hasen ist…Auch die Tatsache, dass ein Rückruf in den allermeisten Fällen den Freilauf beendet und das nervige an der Leine gehen losgeht, trägt nicht unmittelbar zu einem freudigen, raschen Herankommen deines Hundes bei. Und das mit dem regelmäßigen Training und der Geduld ist auch so eine Sache.

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Rückruf als Einladung

Wie schaffe ich es also, dass mein Hund zu mir kommt? Welche Fehler gilt es zu vermeiden? Sehen wir den Rückruf mal aus einer völlig anderen Perspektive, nämlich der einer Einladung von Freunden. Stellen wir uns vor, wir hätten gerne einige Freunde um uns für eine Zeit. Also, wie macht man das? Man verschickt eine freundliche Einladung für einen Zeitpunkt, bei dem die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass alle Zeit haben für einen Ort, der als passend empfunden wird, mit der Zusicherung, dass es für jeden etwas Ansprechendes zu essen und zu trinken gibt. Die Form der Einladung ist dermaßen gestaltet, dass für alle klar ist wann, wo, wie das Treffen stattfindet, es gibt keine Missverständnisse. Und es ist etwas, was die Eingeladenen mit Freude annehmen, weil sie wissen, es wird toll. Und vor allem gibt es das nicht jede Woche. Der Eingeladene zieht also die Einladung einem Champions League Match vor, Gaming mit Kollegen, Binge Watching von Grey’s Anaytomy oder was weiß ich was. Deshalb gibt es bei der Zusage auch kein Zögern. Alle Eingeladenen stehen vor der Tür in freudiger Erwartung eines tollen Abends.


brauner Hund läuft über Wiese
Lehrerkind Mia im Schweinsgalopp

Was hat das jetzt mit dem Rückruf zu tun? Ein Rückruf ist nichts anders als eine Einladung an deinen Hund, zu dir zu kommen. Ja, eine Einladung. Kein Befehl, Kommando, Ultimatum, sondern eine überaus höfliche Aufforderung, in deine Nähe zu kommen. Und damit das auch funktioniert, gibt es einige Fehler, die du vermeiden solltest.


Der Freundliche Rückruf

Du brüllst deinem Hund ein äußerst unfreundliches, wenig Einladendes „HIER VERDAMMT NOCH MAL!“ und erwartest von deinem Hund, dass er zackig kommt? Dabei nimmst du eine Körperhaltung an, die eher zu einem Offizier passt, der gerade Rekruten zur Sau macht? Nicht sonderlich einladend. Stellen wir uns mal vor, die Einladung zum Grillen kommt als „wir grillen am …wenn du nicht kommst, hau ich dir aufs Maul“. Na, große Lust auf die Grillerei? Also, Stimme und Körperhaltung sollten freundlich, einladend, aber bestimmt sein, wenn du deinen Hund rufst.


Erfolgsgarantie

Rufe deinen Hund nur zu dir, wenn du absolut sicher bist, dass er auch kommt. Wenn also Situation, Ablenkung, Distanz ähnlich sind wie bei erfolgreichen Rückrufen. Wenn das im Moment nicht gegeben ist, warte. In ganz kleinen Schritten kann man dann im Training die Ablenkung oder die Distanz erweitern.


Richtig belohnen

Belohne deinen Hund richtig! Ein über den Kopf streichen oder die Schulter klopfen wird eher keine Belohnung sein, oft sagen die Hunde in ihrer Körpersprache „taugt mir nicht, lass das“. Also geh ruhig mal in die Hocke, lobe deinen Hund ausgiebig und stopf ihm hochwertige Leckerli rein, auch wenn die Entfernung für den Rückruf nur zehn Meter im eigenen Garten waren. Belohne deinen Hund, auch wenn er freiwillig -ohne dass du ihn gerufen hast- zu dir kommt, feure ihn an, lobe ihn. Ist er dann bei dir, mach etwas Tolles mit ihm, wirf ruhig einmal den Ball oder lass den Futterbeutel apportieren. Damit legst du die Grundlage für das Heranrufen mit einem Signal.


SignaL sorgsam wählen

Verwende ein prägnantes Signal für den Rückruf, „he, Rexi, komm zu mir“ ist zum Beispiel keines. Gut funktionieren zweisilbige Signale, denen man eine Betonung mitgeben kann, etwa „Zuuuuuu mir“, das kann man fast schon singen. Noch besser funktionieren Pfeifen.


Unangenehmes vermeiden!

Vermeide unmittelbar, nachdem dein Hund zu dir gekommen ist unangenehmes von ihm, etwa ihn an die Leine zu nehmen oder den Maulkorb anzulegen. Natürlich setzt auch hier ein Lerneffekt ein, und dein Hund wird sich gut überlegen, ob er das Schnüffeln an einer spannenden Stelle gegen Leine und Maulkorb tauscht. Auch ein Rüffel, weil er zu lange gebraucht hat oder du ihn mehrmals gerufen hast, ist tabu, genauso wie ihn körpersprachlich zu bedrohen oder gar eine zu scheuern. Mach gerade in den ersten Trainings ruhig noch was anderes, bevor du ihn anleinst oder Leine ihn an und lass ihn dann ein Leckerli suchen.



Und zu guter Letzt: trainieren, systematisch und strukturiert, mit Ablenkung, auf Distanz, Generalisierung. Leg ein Trainingstagebuch an, notiere dir Erfolge und Misserfolge. Wir verlangen vom Hund ja recht viel, und das muss mit einem effektiven Trainingsplan geübt werden.

Hund mit Laptop in Wiese
 
Michael Karges
Der Autor

Der Autor Michael Karges ist Hundetrainer und diplomierter Verhaltensberater und lebt und arbeitet in Wien. Fragen und Kommentare gerne an Michael.Karges@pro-canis.at.



 



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