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Aufmerksamkeit gewinnen

Hunde scheinen manchmal taub zu sein, und wir Menschen tun dann so, als ob sie -die Hunde- blöd oder bösartig wären. Wir rufen, sie gehen weiter. Kooperation sieht anders aus. Mir fallen viele Situationen ein, in denen ich gerne die Aufmerksamkeit meines Hundes hätte, was oftmals den tollen Nebeneffekt hat, dass er mit dem aufhört was er gerade tut.

Sanftes Abbruchsignal

Situationen, die mir da in den Sinn kommen: Hund gräbt ein Loch und steht kurz vor Australien, Radfahrer nähert sich von hinten, hündischer Erzfeind in Sicht - wäre es nicht toll, in solchen Momenten rasch die Aufmerksamkeit des Hundes zu bekommen, um ihn dann ruhig aus der Situation zu führen? Auch beim Führen an der Leine hilft es oft, den Hund nicht weiterzerren zu lassen, sondern ihn -nachdem man seine Aufmerksamkeit gewonnen hat- zum Weitergehen einzuladen. Der Höflichkeit halber.

Ein Aufmerksamkeitssignal kann das leisten, wenn es entsprechend aufgebaut und trainiert wird und hat noch den tollen Nebeneffekt, dass es auch als positiv besetztes Abbruchsignal taugt. Da es nach den Feiertagen hoffentlich auch mal ruhiger ist und wir Zeit für unsere Hunde haben, hier der Trainingsplan für das Aufmerksamkeitssignal.

drei Hunde auf einer Bank

Trainingsziel definieren

Wann immer wir etwas Neues lernen definieren wir ein Trainingsziel, und das könnte so lauten: Hund wird durch das Aufmerksamkeitssignal in seinem momentanen Verhalten unterbrochen und wendet sich dem Halter zu. Es ist nicht notwendig, dass sich der Hund dem Halter nähert, hinsetzt oder hinlegt, uns reicht ein ruhiges  Anblicken des Menschen für zwei, drei Sekunden. In der Zeit können wir den Hund zu uns rufen, ihn einfach loben für seine Aufmerksamkeit, den Futterbeutel werfen oder sonst was tun. Das soll auf jede Entfernung, auf die der Hund unser Signal noch wahrnehmen kann, funktionieren, und bei jeder im täglichen Umfeld vorkommenden Ablenkung.


drei Hunde sitzen auf Tisch im Wald
Volle Aufmerksamkeit beim Shooting

Positiv konditionieren

Als Signal sollte ein Wort oder Geräusch verwendet werden, das der Hund noch nicht kennt und im Alltag nicht gebräuchlich ist. Ich persönlich verwende ein  Schnalzen mit der Zunge, man kann aber auch „Kuckuck“ rufen oder in die Hände klatschen.

In der ersten Phase verknüpfen wir das Signal mit Freude und Futter: wir haben in einer Hand hinter dem Rücken das Futter (möglichst etwas, was der Hund liebt, Käse oder Leberwurst, nicht unbedingt das Trockenfutter, das er jeden Tag bekommt): wir geben das Signal und unmittelbar danach aber nicht früher geben wir dem Hund das Futter ins Maul. Das machen wir einige Male und wiederholen das an verschiedenen Tagen und Orten.

Umorientierung belohnen

In der zweiten Phase belohnen wir mit Futter sobald der Hund das Signal wahrnimmt bzw. wahrnehmen kann und sich zu uns umdreht in Erwartung des Futters, d.h. wir belohnen jetzt also schon die Umorientierung zu uns. Natürlich üben wir am Anfang in einer möglichst ablenkungsfreien Umgebung wenn der Hund entspannt ist, etwa im Wohnzimmer oder auf dem täglichen Spaziergang am Rückweg zum Auto wenn der Hund eigentlich zufrieden sein sollte und sich in unserer Nähe befindet. Das Futter wird dem Hund vor die Pfoten geworfen, denn es soll ja kein Rückruf sein. Wir steigern über die nächsten Wochen langsam die Ablenkung bis der Hund im Freilauf einige Meter von uns entfernt schnüffelt, ein Loch gräbt, oder andere Hunde oder vielleicht sogar Rehe und Krähen beobachtet. Hier ist Geduld angesagt, und Gefühl: wer in kleinen Schritten die Schwierigkeit für den Hund steigert arbeitet konkret an der Zuverlässigkeit. Wir variieren die Belohnung und beginnen Futter durch den Futterbeutel, Lob, Spielzeug zu ergänzen, je abwechslungsreicher die Belohnungen desto besser.

Belohnung rauszögern

In der dritten Phase zögern wir die Belohnung etwas raus wenn sich der Hund uns zuwendet, so zwischen ein und fünf Sekunden und das möglichst unregelmäßig, für den Hund nicht durchschaubar. Funktioniert das alles an unterschiedlichen Orten mit immer größerer Ablenkung reduzieren wir die Belohnung, der Hund bekommt nur noch jedes dritte Mal im Durchschnitt eine Belohnung, dann jedes siebte Mal,…..



Stimmung ist gefragt

Schleichen sich Fehler ein oder verlangsamt sich die Reaktion des Hundes einfach wieder mal üben, dabei den feinen Käse oder die Geflügelstreichwurst spendieren, und gut ist.

Fröhliches trainieren, und nicht vergessen: unsere Hunde sollen am Erfolg lernen, das ist nicht nur ein Leckerli sondern auch unsere gute Stimmung.

drei Hunde
 

Der Autor Michael Karges ist Hundetrainer und diplomierter Verhaltensberater und lebt und arbeitet in Wien. Fragen und Kommentare gerne an Michael.Karges@pro-canis.at. 

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